ÜBER

Experimentieren & Lernen:

Wir lieben die Volksschule als zivilisatorische Errungenschaft und glauben an ihre demokratiepolitische Relevanz. Gleichzeitig schätzen wir gewisse Privatschulen für ihren kompromisslosen Pioniergeist. Wir halten Schule im Allgemeinen für einen Katalysator der menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Allerdings wünschen wir uns einen radikalen Paradigmenwechsel in der Bildungskultur.

Der intrinsic Campus ist eine unabhängige Bürger-Initiative, die mit Leidenschaft eine alternative Lehrerausbildung auf der grünen Wiese und zusammen mit den Studierenden entwickelt. Die NZZ bezeichnete uns gar als «Guerilla-Projekt» und spricht von einer «Schulrevolution der Zukunft».

Das Studium startete mit dem Herbstsemester im September 2019. Individuelle Informationsgespräche für einen späteren Einstieg können laufend mit der Campus-Koordination vereinbart werden.

 

WARUM

Industrialisierung & Digitalisierung

Die Welt verändert sich exponentiell. Dabei wird die Digitalisierung begleitet von einem massiven Wandel in Gesellschaft und Arbeitswelt. Wie kann sich die kommende Generation auf Jobs vorbereiten, die heute noch gar nicht erfunden sind? Und wie lassen sich die Freiheiten, die durch den Wandel entstehen, zum Wohle aller nutzen?

Wir sind überzeugt, dass der Fokus auf die intrinsische Motivation einen entscheidenden Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen liefert. Denn Menschen, die aus eigenem Antrieb und auf Basis eigener Ambitionen handeln, erleben sich als autonom und selbstwirksam, werden resilient gegenüber den Anforderungen einer neuen Arbeitswelt und gewinnen Freiraum für ihre persönliche wie auch berufliche Entwicklung.

Wir verstehen den Sinn von Bildung als Beitrag dazu, dass Menschen qualifiziert tun, was sie wirklich wollen. Die Welt braucht zunehmend selbständige Individuen, die aus eigener Kraft denken, einordnen und kreieren können. Es geht darum, Lust und Leidenschaft fürs Leben zu entwickeln und Verantwortung fürs eigene Handeln zu übernehmen. Das Ziel von intrinsic ist die radikale Verschiebung von der extrinsischen zur intrinsischen Motivation beim Lernen.

Eine wissenschaftliche Begründung zum intrinsic Campus haben wir in diesem Dokument zusammengestellt.

Bildung & Paradigmenwechsel

Die Transformation der Schule findet bereits statt. Weil dabei fest verankerte Glaubenssätze zwar tangiert aber kaum je neu verhandelt werden, stösst die Erneuerung der Bildungskultur an Grenzen. Der intrinsic Campus will als Prototyp einen Beitrag zur Debatte über die Bildung der Zukunft leisten. Somit verstehen wir uns als Angebot und Ergänzung für die pädagogischen Hochschulen. Wir decken den Teil der Innovationen ab, die über die heutigen Bildungsinstitutionen hinausgehen. Damit sind wir ein Mosaikstein einer zukunftsgerichteten Bildungspolitik.

Dabei wird sich Bildung im fortschreitenden 21. Jahrhundert nicht ausschliesslich mit digitalisierten Methoden auseinandersetzen. Parallel zur Welt der neuen Technologien geht es primär um Bewusstseinsentwicklung und soziale Fähigkeiten. Vor allem auch Tätigkeiten der zwischenmenschlichen Fürsorge und Berufe des soliden Handwerks werden in Zukunft wichtiger denn je.

Unser Antrieb kommt von der Lust, das Neue zu testen – nicht nur darüber zu philosophieren. Wir haben ein Bild von einer Schule der Zukunft, wo die Schülerinnen und Schüler ihre Lernprozesse aus innerem Antrieb spielerisch und selbstverantwortlich gestalten. Dabei verändert sich die Rolle der Lehrperson grundlegend: Sie wird von der Stoff-Vermittlerin zur Lernbegleiterin, welche die individuellen Entwicklungen fördert und die Kinder auf Augenhöhe in einen sozialen Kontext einbindet.

WAS

Haltung & Curriculum

Eine gute Lehrperson ist eine verantwortungsvolle Persönlichkeit, welche selber für ein Thema brennt – das Vorleben der eigenen Leidenschaft zieht Kreise. Dazu kommt ein hohes Bewusstsein für individuelle Veränderungsprozesse und die Fähigkeit, Beziehungen zu Menschen aufzubauen. Diese Aspekte bilden den Kern unserer Lehrerausbildung.

Der intrinsic Campus orientiert sich an drei Grundsätzen:

  • Lernen gelingt aus intrinsischer Motivation.
  • Die Verantwortung liegt bei den Studierenden.
  • Die Lernergebnisse werden dokumentiert und geteilt.

 

Jedes Semester – jeweils im Februar und im September – kannst du einsteigen am intrinsic Campus und dich zur Lehrperson für die Primarstufe (1. bis 6. Klasse) ausbilden: Eine Ausbildung auf Bachelorniveau, um auf Primarstufe erfolgreich zu unterrichten. Die Ausbildung dauert 3-5 Jahre – je nach Erfahrung, Tempo und Intensität. Allerdings kann der intrinsic Campus anfänglich kein offiziell anerkanntes Lehrerdiplom ausstellen. Wir arbeiten parallel an der Hochschul-Akkreditierung: In einer Arbeitsgruppe mit Akkreditierungs-ExpertInnen hat intrinsic einen entsprechende Fahrplan erarbeitet.

Es geht um individuelle Lernprozesse, den Kreislauf realer Dringlichkeiten aus der Praxis, Auseinandersetzungen mit Expertpersonen und Beziehungsaufbau mit den Coaches. Immer unter der Prämisse der radikalen Verschiebung von der extrinsischen zur intrinsischen Motivation. Eine ausführliche Darstellung der obigen Arbeitshypothese finden Sie hier.

Selbstorganisation & Dokumentation

Lern-Coaches begleiten den Lernprozess und unterstützen die Studierenden beim Zusammenstellen ihres individuellen Curriculums. Zeiträume werden gemeinsam festgelegt, um Struktur und Unterstützung zur Selbstorganisation zu leisten. Andere Lernende im direkten Umfeld spielen eine inspirierende Rolle.

Der individuelle Bildungsweg jedes Studierenden wird in einem persönlichen Portfolio abgebildet: Dort werden die eigenen Lernziele, Lernressourcen, Fortschritte und Erfahrungen dokumentiert. Das Portfolio bildet eine laufend anpassungsfähige Struktur und gibt den Studierenden damit Halt und Orientierung: Mit dem Lernportfolio sammeln, prüfen, reflektieren und präsentieren die Lernenden ihren Prozess. Dank dieser Umgebung kann jeder individuell lernen, wie man selber am besten lernt.

Praxis & Theorie

Rund die Hälfte der Ausbildung verbringen die Studierenden als Co-Teacher in Schulzimmern. Im Sinne einer Berufslehre können somit Erfahrungen im realen Schulkontext gesammelt und verarbeitet werden. Die theoretische Ausbildung ist als wissenschaftsbezogene Reflexion und Inspiration des eigenen Handelns am Praxisplatz angelegt.
Theorie wird immer dann herangezogen und reflektiert, wenn sie aktuell resp. relevant wird – das heisst: wenn sie intrinsisch interessiert und so zur Impulsgeberin für die Praxis werden kann. Wir verstehen eine theoretisch-wissenschaftlich fundierte Ausbildung als Voraussetzung für Mündigkeit und selbstverantwortliches pädagogisches Handeln.

Neben dem Selbststudium und der Arbeit in autonomen Lerngruppen findet einmal wöchentlich ein Campustag statt, wo die Studierenden zusammenkommen. Das dient einerseits der Reflexion über Praxis-Erlebnisse. Zudem werden – geprägt durch die individuelle Nachfrage – zentrale Phänomene behandelt, die sich unter Beizug interdisziplinärer Perspektiven aufdrängen. Dabei verzichten wir bewusst auf einen Fächerkanon, um die relevanten Bereiche erst gemeinsam zu eruieren und aufzubereiten.

Eintritt & Finanzierung

Voraussetzung für den Eintritt ist die Volljährigkeit und ein erfolgreiches Eintrittsverfahren. Dieses besteht aus einem Motivationsschreiben oder -video plus einem persönlichen Gespräch mit der Campus-Koordination.

Der finanzielle Beitrag für Studierende beträgt CHF 1’000 pro Semester zur Deckung der Infrastruktur-Kosten. Am Anfang wird der intrinsic Campus weitgehend durch Freiwilligenarbeit getragen. Wenn eine Drittmittelfinanzierung etabliert ist, können Engagements, die zum Gelingen des intrinsic Campus beitragen, entsprechend vergütet werden.

WIE

Nachhaltigkeit & Bildung

Wir glauben, dass Schulen ein wichtiger Motor für die nachhaltige Welt von morgen sein werden. Deshalb messen wir das neue Bildungsparadigma nicht nur in Bezug auf sein Marktpotential sondern auch in Bezug auf seinen Lösungsbeitrag zur Nachhaltigkeit. Dafür arbeiten wir mit den «Zielen für nachhaltige Entwicklung» der Uno. Uns überzeugen Taten mehr als Worte. Darum entwickeln wir echte Prototypen statt theoretischer Konzepte. Experimentieren, Scheitern und Probleme lösen gehören zu unseren Kernaufgaben als Bildungslabor.

Methodisch wollen wir bereits so arbeiten wie in der Schule der Zukunft. Das heisst, die Ausbildung baut auf die intrinsische Motivation der Studierenden: Die Lernenden arbeiten an selbst gewählten Fragestellungen. Sie haben erfahrene Lernbegleiter an ihrer Seite und finden inspirierende Ressourcen vor.

Semesterdaten 2020:
– Semesterauftakt im Toggenburg: Fr, 21. – So, 23. Februar 2020
– Frühjahrssemester: 17. Februar – 30. Mai 2020
– Osterferien: 10. – 18. April 2020
– Zwischen­semester: 1. Juni – 12. September 2020
– Herbstsemester: 14. September – 19. Dezember 2020

Während des Semsters findet wöchentlich ein Campustag statt:
– Die bisherige Klasse hat ihren Campustag jeweils freitags.
– Die neu Klasse (Start September 2020) wird ihren Campustag jeweils am Montag haben.

Folgende Elemente stellt der intrinsic Campus zur Verfügung:

1.

Campus: An der Talstrasse 15 – inmitten von Zürich – stehen 200 Quadratmeter Bildungslabor zur Verfügung mit idealer Infrastruktur zum Lernen, Arbeiten und Austauschen. Die Einrichtung kann weiterentwickelt und den Bedürfnissen angepasst werden. Auch Werkstätten als Ausgangslage für verschiedenes Handwerk sind zugänglich.

2.

Klausur: Gut zwei Zugstunden entfernt von Zürich gibt es im Unterengadin einen in sich stimmigen Rückzugsort: Mit unserem Partner Hotel Piz Linard in Lavin entwicklen wir gerade ein Zusammenarbeitsmodell für lustvolles Lernen in anregend schlichter Umgebung.

3.

Praxisplätze: Die Hälfte der Ausbildung zur Lehrperson findet in der Praxis statt. Der intrinsic Campus stellt ein Netzwerk zusammen von geeigneten Schulen resp. Lehrpersonen, welche Lernende als Praktikanten zur Ausbildung aufnehmen.

4.

Coaching: Die Studierenden kommen einmal wöchentlich zu einem Campustag zusammen. Hier werden Erfahrungen aus der Praxis verarbeitet und mit Beiträgen von dritter Seite verknüpft. Dieser Tag wird von der Campus-Koordination moderiert. Zudem gibt es ein Angebot von Lern- und Persönlichkeits-Coaching.

5.

Koordination Experten: Oft ist es nützlich, von Menschen mit breitem Wissen und vertiefter Erfahrung zu lernen. Die Campus-Koordination stellt einen wachsenden Pool von Expertinnen und Experten zusammen und koordiniert die Zusammenarbeit.

6.

Aufnahme und Abschluss: Kriterien für die Aufnahme zum Studium sind ein Motivationsschreiben oder -video plus ein persönliches Gespräch. Für den Studienabschluss ist ein unabhängiges Fachgremium zuständig. Dieses stellt zusammen mit den Studierenden einen Kriterienkatalog auf und verantwortet die Methode der Kompetenzpräsentation.

7.

Kommunikation: Angebot, «Lehrblätz» und Erfolgsgeschichten werden nach aussen kommuniziert. Die Campus-Koordination ist verantwortlich für einen adäquaten Auftritt.

8.

Kooperationen: Die Studierenden sollen zuweilen das gewohnte Umfeld verlassen, um andernorts Inspirationen und unerwartete Erfahrungen zu sammeln. Austauschprogramme mit ersten Partnern sind im Aufbau: Education Innovation Lab, Hasso-Plattner-Institut, Lernen von Innen – die Akademie.

9.

Forschung: In Zusammenarbeit mit Dr. Jessica Dehler Zufferey vom Center for Learning Sciences EPFL erarbeiten wir ein Set der Aktionsforschung – als nützliches Paradigma für die zukünftige lebenslange Weiterentwicklung des eigenen Lehrens.

WER

Wir sind ein Team aus neugierigen und leidenschaftlichen Pädagoginnen und Startup Liebhabern, die eine innovative, nachhaltige Bildung prägen möchten und vom Konzept des intrinsic Campus überzeugt sind.

Campus-Koordination
Christian Müller koordiniert den intrinsic Campus als Geschäftsleiter. Siehe auch «Schule der Zukunft: Diese sechs Kompetenzen sollten Kinder erwerben» in der «NZZ am Sonntag». Kontakt: cm@intrinsic.ch

Experten
Wir bauen gerade eine «Bibliothek der Expertinnen und Experten» auf, welche den Studierenden in ihrem jeweiligen Fachgebiet zur Verfügung stehen (siehe auch Kurzfilme auf der Startseite).

Lerncoaches
Zum Pool der LernbegleiterInnen gehören Coaches, welche die Studierenden in ihrem jeweiligen Lernprozess unterstützen (siehe auch Kurzfilme auf der Startseite).

Partnerschulen
Folgende Schulen nehmen Studierende als PraktikantInnen auf:

 

Privatschulen:

 

Beirat
Der Beirat unterstützt die inhaltliche Entwicklung informell. Zudem repräsentiert und vernetzt er das Projekt nach aussen. Er setzt sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen:

  • Hanspeter Beerli, Gründer Lipschule Zürich
  • Dr. Daniel Hofstetter, Dozent PH Fribourg
  • Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe und Bildungsforscher
  • Prof. Dr. Rudolf Isler, Dozent PH Zürich
  • Annemarie Kummer Wyss, Dozentin PH Luzern
  • Jürg Mäder, Gründer Scuola Vivante, Buchs
  • Prof. Hansuli Matter, Direktion Departement Design ZHdK
  • Dr. Björn Maurer, Dozent PH Thurgau
  • François Rapeaud, Präsident Kinderanwaltschaft Schweiz
  • Franziska Schläpfer / Big Zis, Rapperin und Filmemacherin
  • Philippe Wampfler, Gymi-Lehrer und Fachdidaktik-Dozent, Uni Zürich

 

Unterstützung & Förderung
Wir sind stolz und dankbar, die finanzielle Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz zu bekommen.

Die Stiftung Mercator Schweiz setzt sich für eine weltoffene und engagierte Gesellschaft ein, die verantwortungsvoll mit der Umwelt umgeht und allen jungen Menschen die Möglichkeit bietet, ihr Potenzial zu entfalten. Dafür fördert und initiiert sie Projekte in den vier Themen Bildung, Verständigung, Mitwirkung und Umwelt. www.stiftung-mercator.ch

Der intrinsic Campus ist auf weitere Fördergelder angewiesen, da wir momentan erst einen Bruchteil der finanziellen Aufwände decken können.
Wenn auch Sie oder Ihre Organisation zum Prototypen der Schule der Zukunft beitragen möchten, freuen wir uns sehr, Sie kennenzulernen. Kontakt: Christian Müller, cm@intrinsic.ch